Das „Grosse Ö“ – SwimRun World Championship 2017

Unsere Teilnahme an der SwimRun World Championship ÖtillÖ 2017

15. Oktober

Gestern war die World Championship der Triathleten in Kona/ Hawaii. Die Schwimmbedingungen seien hart gewesen, „washing machine bumpy“ ….. sofort waren die Bilder über meine eigene Teilnahme an einer Weltmeisterschaft wieder da. DAS war „washing machine bumpy“. Die SwimRun World Championship 2017 wartete mit heftigsten Bedingungen auf.

Ich habe, wir haben die Ziellinie nicht erreicht. Das nagt auch heute noch und die „Fehleranalyse“ lief lange danach noch, Tag für Tag. Fazit: es hat eben nicht alles gepasst.

Aber von vorne.

Utö – Home of SwimRun

Es war ein grandioses Wochenende in Schweden. SwimRun World Championship 2017. Auf Utö angekommen, haben wir unsere Unterkunft bezogen, die Stuga Näsudden. Ein Traum mitten im Wald und trotzdem nahe zum Meer. Die Wälder voller Pilze und Blaubeeren. Erster Wasserkontakt gleich am Freitag nachmittag, für Michael und Andreas eine kleine Trainingseinheit, da sie zusammen am Samstag beim Final15 starten würden. Das Wasser frisch, aber nicht kalt, dafür voller Quallen. Harmlose Ohrenquallen, aber im ersten Moment zuckt man schon zurück.

Julian und ich machten uns am Samstag einen gemütlichen Tag und radelten irgendwann zum Vardshüs, um die beiden im Ziel zu begrüßen. Andreas kam mit ziemlich dicker Lippe an – im Wald hatte jemand vor ihnen einen Hornissenschwarm aufgeschreckt. Massig Quallen im Wasser, aber die eigentliche Gefahr kam aus der Luft. Gut, es ist niemandem ernsthaft etwas passiert.

ÖTILLÖ Final 15 K Training Utö1 - Foto: SwimRun Germany   ÖTILLÖ Final 15 K Utö Trainig 2 - Foto: Swimrun Germany   ÖTILLÖ Final 15 K Hornisse - Foto: SwimRun Germany

Anfahrt nach Sandhamn

Am Sonntag verliessen Julian, Michael und ich Utö Richtung Stockholm. Michael auf dem Weg zurück zum Flughafen und nach Deutschland, wir beide zum Grand Hotel. Dort würde die ÖtillÖ Fähre nach Sandhamn ablegen. Eine Horde SwimRunner am Kai. Vorfreude, Wiedersehensfreude und ein deutlicher Hauch von Anspannung und Nervosität. Die Fahrt dauerte ca zwei Stunden, draussen auf dem Wasser Wellen und immer wieder Regentropfen an den Fenstern. Der Wetterbericht für Montag alles andere als vielversprechend. Auf Sandhamn wurde jeder einzelne von uns beim Verlassen der Fähre von Michael Lemmel und Mats Skott persönlich begrüßt. Der erste Weg ging gleich zur Registration. Genaue Kontrolle der Pflichtausrüstung: GPS-Funktion der Uhr, Versicherung, Erste-Hilfe-Pack, Pfeife, SwimRun Suit. Gut organisiert und problemlos. Das gesamte Seglärhotel ist von SwimRunnern belegt, einige Teams sind sogar auf einer Nachbarinsel untergebracht. Das ist neu, deshalb konnten weitere Startplätze zur Verfügung gestellt werden. Briefing, Abendessen und ab ins Bett. Start wird um 6 Uhr morgens sein.

Start zur SwimRun World Championship 2017

SwimRun World Championship ÖtillÖ 2017 Jakob Edholm SwimRun World Championship ÖtillÖ 2017 Pierre Mangez SwimRun World Championship ÖtillÖ 2017 Jakob Edholm

Montag: es ist noch dunkel, es ist recht kalt, es ist sehr windig. 148 Teams stehen vor dem Seglärhotel und warten im leichten Regen auf den Startschuss. Später erfahre ich, dass erst zehn Minuten vor dem Rennen entschieden wurde, es überhaupt zu starten. Plan B war eine komplett ausmarkierte Alternativstrecke mit geschützteren Schwimmstrecken. Wellen und Strömung sollten für uns an diesem Tag die grosse Herausforderung werden, der Wind und der Regen an Land würden es nicht einfacher machen.

6 Uhr. Böllerschuss. In der Dämmerung rennt das Feld über die Insel etwas mehr als einen Kilometer zur ersten Schwimmstrecke. Es ist zugleich die längste. Ein Stroboskop am Ende macht das Orientieren recht einfach, trotz der aufkommenden Wellen. Ich schwimme vorne, halte mich etwas am linken Rand, um nicht in das Geheddere mit den Leinen der anderen Teams zu kommen. Wir schwimmen eine gute Pace. Gegen Ende muss ich den Kurs etwas korrigieren, ich bin etwas zu weit nach links gekommen. Die folgende Laufstrecke ist heftig. Entlang der Wasserlinie, mal im Wasser, mal knapp darüber über Steine in allen Größenordnungen, glitschig. Teils unter dem Böschungsbewuchs durch krabbeln. An Rennen ist nicht zu denken. Es folgt ein Inselhopping, wellige Schwimmabschnitte, trailiges Laufen. Irgendwie habe ich im Schwimmen heute einen Linksdrang … kann das aber meistens rasch genug korrigieren. Wir schwimmen wirklich gut. Der erste Cutoff auf Runmarö ist schon mal kein Problem. Der zweite geht mir im Kopf rum: beim gestrigen Briefing wurde der nämlich wegen der schlechten Bedingungen um 45 Minuten verkürzt.

Pig Swim

Aus den trailigen Wanderabschnitten werden rutschige Kletterpassagen, das Wasser wird zunehmend richtig wellig. Der Cutoff auf Nämdö wird enger. Wir sind bereits fünf Stunden unterwegs und rennen über die Insel, glücklicherweise jetzt auf einem Forstweg. Tempo, nicht reden, einfach rennen. Und wir schaffen es. Etwa zwölf Minuten Luft. Essen, Energie tanken. Der nächste entscheidende Abschnitt wird uns zum berüchtigten Pig Swim bringen. Der Blick auf die Wellen ist nicht ermutigend. Ein Helfer hängt im Gestänge des Versorgungszeltes, der Wind nimmt zu. Im Wald vor uns bricht ein Baum ab. Es wird stürmisch. Und dann stehen wir auf den Felsen vor dem härtesten Schwimmabschnitt: 1400m Wellen und Strömung. Ein Stroboskop auf der gegenüberliegenden Klippe, ausserdem kann ich zwei Boote ausmachen. Mir ist kalt, nass laufen im Regen und Wind zieht Energie. Kurze Überlegung, wer vorne schwimmt. Ich werde anfangen. Klippe, Stroboskop, Boote. Und Wellen, hohe Wellen. Ich erinnere mich an meinen Linksdrall. An Booten sollte man sich nicht orientieren. In einem Wellental verliere ich das Stroboskoplicht. Aber die Klippe kann ich ausmachen. Julian übernimmt die Führung, wir kommen der Klippe näher. Wo ist die Markierungsfahne für den Ausstieg? Im Kampf mit den Wellen klettern wir auf die Felsen. Und sehen die Fahne. Etwa 600m entfernt auf einer anderen Insel. Etwa 600m gegen Wellen und Strömung. Wir sind viel zu weit nach rechts geschwommen. Warum? Wir müssen da rüber, irgendwie. Ich gehe wieder vor, kann mich aber gar nicht mehr orientieren, schwimme wieder zweimal in die falsche Richtung. Julian hat Krämpfe. Wir sind beide am Ende, kämpfen uns brustschwimmend vor, Meter um Meter. Das hat nichts mehr mit Schwimmen zu tun, es geht nur noch um den Kampf ums Ankommen, nur noch gegen die Wellen den richtigen Ausstieg erreichen. Wir schaffen es, irgendwie, irgendwann. Unser Ausstieg wird gefilmt. Erschreckend, das später zu sehen.

Das Ende unseres Ö-Abenteuers

Ohne Hilfe kommen wir alleine nicht aus dem Wasser. Wir waren eineinhalb Stunden in den Wellen, 2.3km statt der eigentlichen 1.4km. Weiter. Mir ist hundselend kalt. Falle immer wieder hin, bin völlig ataktisch. Was ist los? Ich kämpfe mich Schritt für Schritt vorwärts, Julian hebt mich mehrmals vom Boden auf. Irgendwann registriere ich die Besenläufer hinter uns. Der Cutoff! Wie weit, wieviel Zeit noch? Ich verfalle in eine Art Laufschritt, wir erreichen die Versorgungsstation auf Morto Bunson. Zehn Minuten vor dem Cutoff. Und ich sehe Wasser, eine weitere Schwimmstrecke. Ich wache aus meiner Lethargie auf und sage „nein“. Ich kann mir nicht vorstellen, ein weiteres Schwimmen zu schaffen. Später erfahre ich, dass zwischen dem Pig Swim und diesem Cutoff 38 Minuten lagen sowie ein kurzes Schwimmen. Ich weiss es nicht mehr. Nach 8 Stunden und 27 Minuten ist das Abenteuer ÖtillÖ bei 45,09km beendet. In drei Decken gehüllt werde ich zum wartenden Fährboot gebracht.

Zurück auf Utö

Eine knappe Stunde später erreichen wir Utö. Anders als gehofft. 20 Minuten in der Sauna des Vardshüs wärmen mich wieder auf. Wir sehen die glücklichen Gesichter der 119 Finisherteams. Wir gehören nicht dazu. Ich bin froh, dass wir es überhaupt so weit geschafft, dass wir dieses Verschwimmen überstanden habe. Aber wir hätten es ganz schaffen können, wir lagen gut im Rennen. Ich habe die Orientierung verloren. Zu wenig Energie? Zu wenig Kraft im Kopf? Doch zu wenig Training? Hab ich Julian die Möglichkeit zum Finish genommen, weil ich zu schwach war? Es hat eben doch nicht alles gepasst. Wir sind draussen. Eine grosse Chance vertan. Werde ich je die Möglichkeit haben, hier wieder einen Startplatz zu bekommen?

Es geht mir noch tagelang im Kopf rum, eher wochenlang. Ich bin bis jetzt noch nicht richtig fertig damit. Aber: wir haben trotz allem einen tollen Tag gehabt, es war eine „lifetime experience“ und wir haben eine wirklich gute Leistung abgelegt.

Und hallo??? Wir sind Teilnehmer der SwimRun World Championship gewesen, wir waren beim „Grossen Ö“ dabei!

Stefan Sponer im Interview

Stefan Sponer im Interview

Interview mit Stefan Sponer Utö 2017 - Foto: SwimRun Germany

Im Vorfeld der SwimRun Weltmeisterschaft konnten wir Stefan Sponer auf Utö direkt nach seinem ersten SwimRun Finish (ÖTILLÖ Final 15K) interviewen . Wir kennen da ja nix – er durfte sich noch nicht mal umziehen. 🙂

Das SwimRun einfach Spaß macht, kann man ihm sofort ansehen, es lohnt sich aber auch dem auskunftsfreudigen Head of HEAD Swimming im weiteren Verlauf zuzuhören. HEAD und somit Stefan Sponer begleitet die SwimRun Szene schon seit langem und Sponers Blick auf die Entwicklungen sind mit Sicherheit fundiert.

SwimRun als wunderbare Naturerfahrung (einschliesslich Hornissen).  Vergleich mit Triathlon in den späten 80ern. Kommen die Freiwasserschwimmer zum SwimRun? Was passiert in Österreich? Wer hat dieses Jahr beim ÖTILLÖ gute Chancen. Bad Boys Ticino?

 

PS: hier geht es zu unserem Bericht über die Final 15 K….

letzte Tipps auf der Fähre nach Sandham – German Sparkle Party und Visible Ninjas

Letzte Tipps

Das Erlebnis ÖTILLÖ Worldchampionship beginnt für die meisten Athleten bereits in Stockholm. Um 12 Uhr mittags treffen sich SwimRunner aus aller Welt vor dem Grandhotel. Ab dort geht es gemeinsam auf der extra gecharterten Fähre bereits am Vortag zum Startort Sandham. Es ist wie ein grosses Familientreffen. Auf der mehr als zweistündigen Fahrt bleibt viel Zeit für Wiedersehen und Reden.

German Sparkle Party auf der Fähre nach Sandham - Foto: SwimRun Germany Visible Ninjas auf der Fähre nach Sandham - Foto: Swimrun Germany

German Sparkle Party

Das ist Markus Rössel, ebenfalls ein deutsches SwimRun Urgestein, das seit dem ersten Rennen im Engadin 2014 mit dabei ist. Mittlerweile lebt und arbeitet er in Schweden. Gelegentlich schreibt er auch für das Ausdauerportal Slowtwitch.

Fabian Eberhard (er steht laut Rössel für den Gorilla im Teamlogo) ist sein Teampartner. Gemeinsam haben die beiden schon vor SwimRun diverse Ausdauer und Triathlonwettbewerbe überstanden.

Sie selber bezeichnen sich als ambitionierte Freizeitathleten, konnten aber schon mehrfach Top 10 Platzierungen im SwimRun erzielen.

PS: der Teamname German Sparkle Party hat tatsächlich mit dem Song zu tun. Markus erklärt es mit eigenen Worten im Interview bei World of Swimrun. hier…

Visible Ninjas

Knut Baadshaug und Sebastian Kreder. Sie kommen beide vom Schwimmen.

Der gebürtige Norweger Knut ist seit 2015 im SwimRun Zirkus mit dabei. Sebastian seit 2016. Gemeinsam konnten sie die erste Ausgabe des Allgäu SwimRun gewinnen und sich danach beim 1000 Lakes für die Worldchampionship qualifizieren. Beides Rennen bei extremen Wetterbedingungen.

Auf der Fähre nach Sandham

Am Tisch sitzt hier also geballte SwimRun Erfahrung.  Hört Euch an, wie sie das Rennen angehen wollen und welche Tipps sie den Neulingen mit auf den Weg geben.

Knut Baadshaug Blogeintrag zum Allgäu SwimRun hier: …

 

ÖTILLÖ Final 15 K

ÖTILLÖ Final 15 k

Barbara und Julian haben ja das große Los gezogen und starten dieses Jahr bei der Weltmeisterschaft. Der ÖTILLÖ Worldchampionship. Da ich nicht „nur“ zum Begleiten mitkommen wollte, nutze ich die Gelegenheit an dem Sprint dem ÖTILLÖ Final 15 K 2 Tage vorher teil zunehmen. Als Partner ist ganz spontan und schnell Michael Gerlach vom SwimRun Rheinsberg mitgekommen. Merci dafür. Das hat wunderbar gepasst.

Vorbereitung wäre auch nicht schlecht

Der Morgen verläuft ganz bequem. Wir haben Zeit für ein gemütliches Frühstück, bevor Michael und ich mit dem Damenrad von Näsudden nach Grybbnhaven rüber gurken. Dort ist die Registrierung und wir werden alle in einer Fähre nach Ornö verfrachtet. Briefing findet zeitsparend auf der Fähre statt. 9 swims ?? Hm – bisher gingen wir von 6 aus. Na gut, auch recht. Oder doch nicht? Ich gestehe, ich hab mich im Vorfeld nicht so recht mit der Strecke befasst. Letztendlich hat sich Barbara um alles gekümmert und uns am Vorabend die einzelnen Streckenabschnitte erklärt: 8km Rennen – 260 Schwimmen – dann lauter kurze Abschnitte und zum Schluß noch mal 3k laufen. Insgesamt 1k Schwimmen. Fast schon wenig.

Jetzt steht auf dem Plan : 500m Laufen – 1200 Schwimmen… so mal für den Anfang.

Egal

Michael ist cool und so nehmen wir es halt, wie es kommt. Dann schwimmen wir halt mehr. Vielleicht nicht das schlechteste. Schwimmen habe ich dieses Jahr viel trainiert. Laufen weniger. Ich bremse Michael beim Start gleich etwas ein und wir trollen uns entspannt zum Schwimmen. Gestern habe wir noch das Handling mit Leine geübt. Heute wird gleich praktiziert.

Ungewohnt: Wir schwimmen im Pulk! Meistens ist das Schwimmen etwas einsam. Hier muss man richtig aufpassen. Nach der ersten Boje entscheide ich mich für die Aussenbahn. Wir ziehen ruhig vorbei und steigen ziemlich weit vorne im Feld aus dem Wasser. Im Laufen fallen wir dafür auch ziemlich schnell wieder nach hinten weg. Ich bin wieder mal zu schwer und nicht im Saft. Sorry Michael.

Hornissen

Viel Schotterstrasse, bevor es dann doch endlich auf den Trail geht. Der ist dafür einfach schön. Plötzlich entsteht vor uns etwas Tumult. Wir verstehen kein schwedisch und denken, die Mädels tun sich halt schwer im steilen Gelände bergab. Aber es handelt sich um einen aufgescheuchten Hornissenstamm. Bevor ich die Dinger überhaupt realisiere, habe ich schon zwei schmerzhafte Stiche. Reflexhaft geben wir Gas. Einfach durch, bis wir wieder im freien Gelände stehen. Puhh.. Die Dinger tun weh. Ein Stich am Knie, der andere an der Oberlippe. Zum Glück hatte ich meinen Mund zu. Das hätte sonst böse enden können. 200 Meter weiter geht es ins Wasser. Kühlung für die Stiche. Bestens. Ich bitte Michael, vorne zu schwimmen und entspann erst mal hinten dran. Kurzer Landgang und gleich noch mal Spülung…  Die Stiche haben sich etwas beruhigt. Der an der Lippe verursacht Zahnschmerzen. Laufen ist sicherlich die beste Therapie.

Viele Quallen

Es ist immer wieder von Vorteil, sich am Tag vor dem Rennen in das Wasser vor Ort zum anschwimmen zu begeben. So waren wir auch gestern nach der Anreise noch kurz auf einer vorgelagerten Insel zum kurz testen. Wie ist die Temperatur? Wie salzig ist es? Strömung? Grob, was erwartet mich da? Wir waren erstaunt über die hohe Anzahl von Quallen. Das hat mich schon verunsichert. Laut Wikipedia sind die Ohrenquallen aber weitestgehend ungefährliche Zeitgenossen. Das beruhigt. Im Rennen haben wir die vor allem auf Ornö in ganz ordentlicher Dichte durchschwommen. Fühlt sich am Anfang seltsam an, wenn man beim Armzug so ein Ding erwischt…. Aber alles ok…

Viele schmale Trails

Auf den kleinen Inseln zwischen Ornö und Utö gibt es eigentlich nur ganz schmale, herrliche Trails im Wald, zwischen der Heide oder wegloses Gelände über Felsen. Einfach toll. Äste hängen einem im Weg, Baumstämme sind zu überspringen. Es macht Spaß. Ich komm dann endlich doch besser ins Laufen rein. Bremse mich aber immer wieder, sobald es bergauf geht. Scheiß Langdistanzmodus.   Michael muss sich da leider etwas viel anpassen. Hügelauf Schneckengang. Hügelab lass mal laufen…  Es kommen nur noch kurze Schwimmen, bei denen wir uns vorne abwechseln.

Zurück auf Utö

Was wir sind schon wieder auf Utö? Irgendwie ist die Fähre heute früh eine gefühlte Ewigkeit gefahren… Und jetzt? Alles fast schon vorbei? Noch 3 weitere Schwimmen und den Hügel in Grybbnhavn hinauf zum Vardshus, dann sind wir auch schon durch.

Fazit: Tolle Strecke! Viel Natur! Hornissen brauche ich nicht! Und das nächste Mal muss ich vorher laufen üben.

PS: im Internet war übrigens die korrekte Strecke. Man sollte halt doch mal selber nachsehen….

German Swimrun Ranking, eine Woche vor der WM

Wenn’s mal etwas länger dauert… hat Mutter Natur ihre Finger im Spiel gehabt. Wie beim ÖTILLÖ Rennen im Engadin, als wegen Unwetters die Strecke zwei Mal angepasst / gekürzt wurde und damit drei verschiedene Ergebnislisten freien Rennen vorlagen – mal 3 Kategorien ergäbe das 9 Rankings… was also tun?
Im Sinne der Fairness und nach langem Grübeln ganz einfach: für das Engadin Rennen wurden die drei Ergebnislisten nach absteigender Länge der Strecke hintereinander gefügt und als ein Rennen gewertet. Damit und mit den weiteren Rennen der Saison sieht es eine Woche vor der WM so aus:

  • 24  Rennen in der  GSR Wertung
  • 338  Athlet*innen im Ranking
  • 9 Saisonsiege (!!)
  • 30 Podiumsplatzierungen (!)
  • bis zu 5 Rennen wurden von einzelnen Teams absolviert
  • an der Spitze zeigt sich die Neutralität der Liste: Männer, Frauen als Teams oder Einzelstarter mit Athlet*innen außerhalb Deutschlands teilen sich die Top 10!

hier geht’s zum aktuellen Stand im GSR!

Die Uhr tickt nun also. Die ÖTILLÖ WM (und die danach noch folgenden Rennen) wird das Ranking noch kräftig durcheinander wirbeln!

A propos WM: 2017 gibt es eine Rekordzahl an Teilnehmern aus Deutschland bei der WM – genau doppelt soviel starten im Vergleich zu letztem Jahr, nämlich sage und schreibe 22 Athlet*innen.
Ihnen viel Erfolg, einen fantastischen Tag in der Schärengärten und bitte kommt alle gesund ins Ziel!

Bericht des Führungsradrabauken

Wie einst schon Hannibal – Teil 2

Als uns der Mühlbach ausspuckt, ist Andreas schon da und koordiniert den Knotenpunkt. Mir wäre nach Pause, doch die machen Druck hinter mir. Was ein Stress. Jetzt auch noch bergauf zur Kinderklinik. Ach was sag ich, das ist DIE Himmelsleiter, so steil geht es aufwärts. Mein Ziel, vor den Athleten oben anzukommen, ist gleichermaßen verrückt wie irreal. Hannibal schafft Elefanten über die Alpen, dann sollte ich nicht jammern.

Treppen !

Nun gut, ich komme  oben an – zumindest auf der ersten Terrasse. Jetzt muss ich die beiden Teams vorbei lassen. Denn jetzt folgt wahrhaftig eine Treppe! Da bin ich den Teams nur im Weg. Erstaunt sehe ich, wie locker sie nach oben stürmen und ich prügel meinen Elefanten hinterher. Oben angekommen reicht es mir dann wirklich, hätte ich noch Kraft, würde ich umfallen. Mein Blickfeld ist vor Regen oder Schweiß verschwommen, dazu die Teams ausser Sichtweite. Gut, denk ich bei mir, die sind hinter der nächsten Kurve. Schnapp ich die mir. Doch sie sind hinter der Kurve nicht und auch nicht hinter der übernächsten.

Langsam reift in mir eine gewisse Besorgnis, ob die Teams richtig gelaufen sind. Doch die Spuren auf der gut markierten Strecke deuten darauf hin, dass alles passt.

Da erblicke ich die Neoprenathleten. Ich erreiche sie, als sie soeben auf einen Trampelpfad gebogen sind. Also außen an ihnen vorbei, über die Kuhweide …. Scheißidee. Noch heute finde ich Kuhexkremente in den Lagern meines Rades.

Über noch mehr Kuhweiden und Kuhgatter erreichen wir Haag. Die Feuerwehr hat in fürsorglichstem Eifer die Straßen so gesperrt, dass das ganze Dorf auf den Beinen ist und sich das Spektakel nicht entgehen lässt.

2016 Allgäu SwimRun - Führungsradrabauke

2016 Allgäu SwimRun - führendes Team

 

Eine Sau durch’s Dorf treiben

Gern würde ich mir mal den Dreck aus den Augen reiben, doch die Teams machen Druck. Jetzt weiß ich, woher die Redewendung „die Sau durchs Dorf treiben“ kommt, in meinem Fall den Führungsradrabauken.

Wir verlassen Haag und ab jetzt ist es bis zum ersten Schwimmen für mich entspannt. Es geht bergab oder flach dahin an der Rottach (oder heißt es dem Rottach?). Gemächlich beruhigt sich auch mein Puls und Atem.

So erreichen wir den Rottachsee, zuerst die kurze Schwimmstrecke, ehe der Rottachsee zum ersten Mal gekreuzt wird. Die Teams sind im Wasser, ich kann durchschnaufen und etwas trinken. Was sich allerdings als Irrtum entpuppt. Die Trinkflasche am Rad ist mittlerweile durch Schlamm und Dreck eine homogene Einheit mit dem Rahmen geworden. Ein Lösen der Flasche ohne Werkzeug oder gröbere Gewaltanwendung ist eher nicht möglich.

So mache ich mich auf den Weg zum 1ten Verpflegungsposten nach Petersthal. Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel, was sich mir und den zahlreichen Zuschauern bietet. In Neopren gehüllte Gestalten, die sich aneinander gekettet ins Wasser stürzen. Die Wasserwacht, die den diesigen Rottachsee quert und über die aus dem Wasser auftauchende Arme und bunte Badekappen wacht.

Allgäu Swimrun Verpflegung - Foto: Vitaminberge Robert Kampczyk2016 Allgäu SwimRun - Rottachsee

Bericht des Führungsradler

Wie einst schon Hannibal – Teil 1

Hoch über den Köpfen seines Heeres, thront Hannibal auf seinem Elefanten Surus, die wärmende Morgenröte der vergangenen Tage ist dichten Regenwolken gewichen, die am Bergmassiv hängen. Dennoch ruht sein Blick starr auf dem Weg, der vor ihnen liegt.

An einem Tag, wo einem der Regen  eisig den Rücken hinab rinnt, erklingen die Salpinx unbarmherziger als zuvor und sein Heer setzt sich ungehemmt in Bewegung.

Ein Heer, in Neoprenausrüstung bis an die Zähne bewaffnet mit Schwimmhilfen, Badekappen und Restubes…. WAAAAS?

Mit dem Fatbike als Führungsradler

Die Bilder entgleiten und fröstelnd vor Kälte schüttle ich die letzten Tagträume ab. Wie ein entlaufenes und gestelltes Tier stehe ich hier auf einer abgesperrten Straße in Oy-Mittelberg mit meinem Fat-Bike.

Die Salpinx erweisen sich als Alphörner, deren Klang im wabernden Regendunst vergeht. Während mir mein verschwommenes Spiegelbild auf nasskaltem Asphalt deutlich macht, dass ich nicht Hannibal auf einem Elefanten bin. Schließlich führe ich keinen Feldzug, aber dennoch soll ich ein Heer von Verrückten durch das Allgäu lenken: ich bin Führungsradler beim 1ten richtigen SwimRun Deutschland.

Wie komme ich nur zu sowas?

Zum überlegen bleibt keine Zeit, denn schon schiebt sich das Heer von SwimRunnern in mein Blickfeld, aufgepeitscht durch Alphörner und Moderator. Und sicher spielt auch an diesem frostigen Tag die wärmende Bewegung eine nicht zu verkennende Rolle.

Und so stürzen wir uns ins Abenteuer Allgäu SwimRun. Wie eisenbeschlagene Kriegsstiefel dröhnen Trailschuhe auf Asphalt. Dazu mischt sich das Grollen meiner Reifen.

Jetzt fühle ich mich doch wieder wie Hannibal.

Würden Allobrogen bereichern

Um das Feld auseinander zu ziehen, geht es ein kleines Stück bergab auf Asphalt, ehe wir auf einen Feldweg einbiegen. Schon nach wenigen Metern wird mir klar, dass wird heftig für mich. Die ersten beiden Teams legen ein teuflisches Tempo vor und haben schon jetzt eine ordentliche Lücke zum Rest des Feldes gerissen. Ein Blick zurück offenbart mir mein ganzes Unheil.  Diese 4 Athleten hinter mir würden jedes olympische Schwimmteam oder Allobrogen bereichern.

Nach einigen Kurbelumdrehungen erreichen wir den Mühlbachweg. Jetzt beginnt der Allgäu SwimRun erst richtig.

Das Bike über das Kuhgatter gewuchtet, schon vernehme ich den Takt meiner Verfolger. Also in den Sattel und los. Der Trail ist ansteigend und so komme ich ziemlich ins keuchen, um die Jungs hinter mir zu halten.

Parallel zum Mühlbach schlängelt sich ein Trail vom feinsten, so das ich mich schon nach kurzer Zeit im Flow verliere und somit auch meine Aufgabe als Führungsradler.

Einige Treppen und kurze, knackige Trails später haben mich die Teams wieder eingeholt und ich kann nicht mehr unterscheiden, ob ich von Regen durchnässt oder Schweißgebadet bin…

…. weiter in Teil 2 

Euer Trailrabauke

zum Bericht vom Andreas als Veranstalter hier….

 

 

… das grosse Ö rückt näher

Das Ö rückt näher

9. August

… jetzt sind es keine vier Wochen mehr. Was am Anfang noch weit weg erschien, ist nun greifbar nahe. Die Flüge sind gebucht, die Unterkunft auf Utö auch. Andreas wird uns begleiten und am Samstag des grossen Ö-Wochenendes am „final 15“ teilnehmen, dem Sprint zur World Championship. Und am Montag sind wir dann dran. Kommen jetzt die Selbstzweifel?

Bin ich soweit?

Fühle ich mich dem gewachsen ? Ja und nein.

Ja, wir haben trainiert – Julian noch viel mehr als ich. Das Rennen im Engadin lief überraschend gut, für uns alle erfolgreich. Und es fiel uns deutlich leichter als die Jahre davor, innerhalb der CutOff Zeiten zu bleiben. Vor allem wegen des grösseren Schwimmanteils im ersten Teil des Rennens.

Ja, wir können gut im Team. Ich kenne Andreas über die Jahre natürlich besser und weiss ihn richtig gut einzuschätzen, aber mit Julian hab ich jetzt doch schon ein paar auch lange Sachen gemacht. Wir verstehen uns, passt.

Ja, wir sind gut im schwimmen. Der Ausflug zum Lindauer Bodenseeschwimmen mit 2,3k, doch einigen Wellen und Neoverbot war gut, unsere Zeiten um 43 Minuten absolut zufriedenstellend.

Ja, laufen ist auch nicht so schlecht. Die Einzeletappe beim Deutschlandlauf, 58 Kilometer mit etwa 1000 Höhenmetern und einer Bullenhitze, haben wir auch gemeinsam bestritten – und gelitten. War das heiß und weit und breit kein Schatten auf der Albhochfläche!

Ja, wir funktionieren als Team in beiden Disziplinen. Letztes Wochenende beim SwimRun Ausflug über viereinhalb Stunden an der Donau entlang bis zum Elchinger Schützensee und zurück, wieder heiß, zeigte sich: unsere Pace als Team passt gut.

Ziel der Etappe 15 in Dornstadt, Deutschlandlauf 2017

Etappe 15 Deutschlandlauf 2017

SwimRun Germany Team und Team 2 bei der Lindauer Seequerung

bei der Lindauer Seequerung

Lindauer Seequerung 2017

Lindauer Seequerung 2017

Selbstzweifel – zu wenig Training?

Ja, Nein, vielleicht –  ich hab‘ zu wenig trainiert. Ich hatte mir viel mehr vorgenommen. Mehr Umfänge, mehr intensive Einheiten, mehr Höhenmeter. Es gab immer wieder kleine Wehwehchen zwischen drin, Schnupfen, Aussenband, bisschen Schulter. Sonst würde ich einfach weiter machen, jetzt der Gedanke „ist das was ernstes? Wird das was?“.  Also Ruhe, auskurieren. Schwierig nur zu entscheiden, wo es wirklich die Vernunft zur kurzen Pause ist, wo der leise lachende Schweinehund. Selbstzweifel. Aber irgendwie ist es meistens doch immer subjektiv zu wenig Training oder?

Sicher ist: wir können das grosse Ö finishen. Aber es muss alles passen. Und es wird alles passen! Nein, es ist NICHT die Zeit für Selbstzweifel. Warum denn auch?

Swimrunners.com Maj-Britt Klok und Sören Engholm

Rund um den Engadin Swimrun konnten wir Maj-Britt und Sören von Swimmrunners aus Dänemark zum Thema SwimRun befragen.

Maj-Britt Klok und Sören Enghjolm von swimrunners.com

Pioniere im SwimRun Sport

Beide sind wahre Pioniere im SwimRun Sport. Sie entwickeln und experimentieren und haben ihr eigenes Label swimrunners.com gegründet. Ausserdem sind beide seit Jahren im SwimRun Circus zuhause und haben auch schon mehrfach an der Ötillö World Championship erfolgreich teilgenommen. Wir kennen die beiden von verschiedenen Rennen, aber auch als Kollegen.

SwimRunners und Triathlon

Ihr wollt wissen wie sie die Verbindung zwischen Triathlon und SwimRun sehen, oder wie die beiden zum SwimRun gekommen sind? Diesmal war es tatsächlich nicht das berühmte YouTube-Video vom ÖtillÖ. Dann seht Euch das Videointerview an!

Herbert Krabel – Swimrun in den USA

Was macht die SwimRun-Szene in den USA? Warum funktionieren manche Rennen nicht? Was sind die wichtigsten Unterschiede zum Triathlon und wie kommt ein Triathlon Nerd wie Herbert Krabel zum Swimrun? Wie steht er zu den Teamrennen?

Herbert Krabel im Interview mit SwimRun Germany

Über das alles konnten wir mit ihm nach seiner Teilnahme beim ÖTILLÖ Rennen im Engadin sprechen.

Herbert Krabel

Herbert war Editor in Chief des englischsprachigen Triathlonportals Slowtwitch und Betreiber von Guerrilla Communications   und ist Mitorganisator des  SwimRun NC  . Das Rennen in dem US-Bundesstaat North Carolina wurde bereits innerhalb von zwei Jahren zum ÖTILLÖ Merit Race. Nicht zuletzt wegen seiner einzigartigen Lokation im Hanging Rock National Park.

Sportlich war Herbert schon früh in der Triathlonszene aktiv,  um dann das Mountainbike für sich zu entdecken. Nach seiner Profikariere blieb er auch zuerst der Bikeindustrie treu. Einen interessanten Bericht zu Herbert findet Ihr hier….

Das Interview

mehr? Hier geht es zum Interview mit Arnd und Claudia Hille…..